Dr. Gero Jenner 'bewijst' in zijn 'Tractatus historico-philosophicus' het ongelijk van Spinoza

Vandaag precies twee jaar geleden had ik een blog n.a.v. een artikel van Jenner: „Freiheit und Wunder – das allzu lange verschüttete Weltbild der Wissenschaften“. Dit onderwerp heeft hij nog eens verder uitgewerkt en vorige maand verscheen dit boek, dat ook als een Tractatus historico-philosophicus, wordt gepresenteerd en dat een einde zegt te maken aan een eeuwenlange abendländische Irrtum:

Gero Jenner, Die Macht der Träume und die Ohnmacht der Vernunft. Eine Philosophie der Freiheit. Metropolis-Verlag, Marburg, oktober 2013 - 264 Seiten - ISBN 978-3-7316-1039-7

Is alleen al die titel niet een duidelijke verwijzing naar de Ethica, waarvan de titel van het vijfde deel luidt: "De macht van het verstand oftewel de menselijke vrijheid"? Uit de beschrijving blijkt dat ook Spinoza aan de orde wordt gesteld, maar ik heb uit de hoofdstuktitels de indruk dat dit minder uitvoerig zal zijn dan in zijn e-book Der Dawkinswahn oder die Antwort der Mystik. Duell zwischen Wissenschaft und Religion? (2008, PDF), waarnaar ik in dat eerdere blog al verwees. Daarin typeert hij Spinoza als een mysticus en heeft hij teveel naar Lessing geluisterd en noemt hij "Gedanken nur unsichtbare Ausdehnung und Ausdehnung nur sichtbarer Gedanke." (p. 135)

Dit nieuwe boek van de veelschrijver gaat volgens de uitgeverstekst over: "Jenner fragt nach der Zukunft im geschichtlichen Prozess und hält darauf eine überraschende Antwort parat: Zukunft sei bestenfalls partiell ein Produkt der Vernunft, ihr eigentlicher Ursprung liege in unseren Träumen. Mit seinen Träumen erhebt der Mensch sich über die Wirklichkeit; immer wieder versucht er sogar, sie gegen die Wirklichkeit zu errichten. Der meta-physische Traum des Mittelalter, der Traum von Schönheit, wie ihn die Renaissance konzipierte, und schließlich der moderne (inzwischen verblassende) Traum von der Allmacht des Menschen über die äußere Natur lassen sich nicht als Resultat irgendwelcher mehr oder weniger mechanisch erfolgender Anpassungsvorgänge verstehen. Sie sind Visionen, die sich aus Hoffnung, Sehnsucht und Vorgriffen auf eine bessere Zukunft speisen. Als Demiurg erprobt sich der Mensch an der Härte der ihn umgebenden Sachen!

In aller Schärfe widerspricht der Autor damit einer seit dem 17. Jahrhundert von Leibniz über Kant bis Bertrand Russell in Europa vorherrschenden philosophischen Doktrin, die durch die Quantenphysik nur scheinbar entkräftet wurde und neuerdings in (pseudo-)wissenschaftlichem Gewand in der Neurologie wieder unfröhliche Urständ feiert: der Doktrin von der Unfreiheit von Mensch und Natur.

Nicht allein das Bild des Menschen, sondern ebenso auch das der Natur wird von dieser Doktrin verfälscht: Wissenschaft wäre nicht einmal denkbar, ohne die Voraussetzung der Freiheit (und damit auch unserer Träume). Der Autor beginnt mit einer Analyse der historischen Wirklichkeit (Mittelalter, Renaissance, Neuzeit), doch seine Analyse kulminiert in vier logischen Beweisen, womit er die Doktrin der Unfreiheit schließlich auf strenge Art ad absurdum führt. Damit bringt er eine abendländische Diskussion zum Abschluss, die seit Spinoza, Pascal und Leibniz über Hume, Kant, Fichte und Hegel bis zu Heidegger, Popper und den Neurologen ein Kernthema der wissenschaftlich-philosophischen Wirklichkeitsdeutung betrifft.

Die Macht der Träume und die Ohnmacht der Vernunft ist ein Tractatus historico-philosophicus über die Freiheit, ein Manifest in doppeltem Sinne: für die kreative Erkenntnis in Kunst und Wissenschaft und gegen die Schwarmgeisterei und pseudowissenschaftliche Verirrung - ein ebenso anspruchsvolles wie provozierendes Buch, das in denkmüder Zeit zu eigenem Denken aufrüttelt!"

Om een idee te gegen waar het boek over gaat, heb ik hier (uit deze PDF) de titels van de korte hoofdstukjes achter elkaar geplaatst:

Inhalt

Einleitung: Traum und Vernunft

Der Traum als Zwilling, der Irrationalismus als Gegner der Vernunft - Ein Wissenschaftstheoretiker in der Rolle des Ketzers - Wenn Fische träumen - Anthropologie im neuen Gewand - Der Mensch als treibende Kraft - Zeiten der Resignation - Die maßlose Vermessung der Welt - Hoch-Zeiten der esoterischen Quacksalberei - Und dann noch die szientifischen Wahnideen - Ein Blick in die Geschichte des Abendlands

Teil I:

Die drei großen Träume der vergangenen tausend Jahre - Das Mittelalter: der metaphysische Traum - Traumwandler und Geisterseher - Der ritualisierte Krieg - Mann und Frau - Die Himmelsfrau - Eine Zeit der schroffen Gegensätze - Symbole – wenn Dinge sich selbst transzendieren - Entwertung des Diesseits und jeder darauf bezogenen Wissenschaft - Traum und Alptraum berühren sich - Die Renaissance: ein Traum von Schönheit - Das Antlitz des Menschen und das einer Landschaft - Der Mensch ist, was er aus sich macht - Das ideale Gebäude, die ideale Stadt - Wissenschaft und Kunst bildeten eine Einheit - Der Mensch als Mittelpunkt: schön im Reden, Reiten, Fechten und Gehen - Einheit von Schönheit und Moral - Warum der Traum nicht lange währte - Die industrielle Revolution: der Traum von gottgleicher - Macht über die Dinge - Galileis Abwertung des Menschen und die Aufwertung des Apparats - Der Traum von der Macht über die Natur - Es tritt etwas Neues ins Leben, doch das Alte wird mit geschleppt - Der Lord Chancellor - Zweihundert Jahre Inkubationszeit - Die Sublimierung der Macht - Der Absolutismus aller bisherigen Traumentwürfe - Ein demokratisches Prinzip der Naturerklärung - Woran erkennt man kollektive Träume? - Es geht um Höheres als die Maschine - Das absehbare Ende des neuzeitlichen Herrschaftstraums

Teil II:

Der neuzeitliche Kampf gegen Freiheit und Traum - Das wissenschaftliche Weltbild ein Traum? - Aufmarsch der Deterministen - Auch der Mensch bloß eine Maschine? -Das Herz als Pumpe - Der faule Kompromiss des Descartes - Holbach nimmt kein Blatt vor den Mund - Die Attacke des Benjamin Libet - Libets Ergebnisse noch bedeutsamer als die Kausalität in der Natur - Die Gesellschaft ein Uhrwerk? - Karl Marx im alten Weltbild gefangen - Determinieren die Produktionsverhältnisse die soziale Struktur der Gesellschaft? - Woher der Aufstand gegen die Freiheit? - Die Denkzwänge der Empiriker - Eine Arbeitshypothese erhält den Rang eines Dogmas - Gelehrte links Gelehrte rechts, das Weltkind in der Mitten - Wie die Praxis die Ideologie übertrumpft

Teil III:

Aufstand gegen das Dogma: Ketzer und Widerständler - David Hume - Deutsche Romantik: Freiheitsverklärung als Lebensgefühl - Rousseau - Die deutsche Romantik - Ein frischer Quell - Konstruierende Idealisten - Leibniz erbaut die Welten-Uhr - Kant erfindet das Ding-an-sich - Kants halbherziger Idealismus - Freiheit nur im philosophischen Jenseits - Fichtes absolute, aberwitzige Freiheit - Der Traum vom Ich als Weltenschöpfer - Die Idealistenfalle - Hegel macht es vielen Recht, nur nicht dem klaren Denken - Was Hegels Idealismus so viel schwerer angreifbar macht - Romantik und Idealismus – Rebellion gegen den Zeitgeist - Popper, Schrödinger, Jaspers - Paul Watzlawick oder die Rückkehr der Idealisten - Vorsichtige Philosophen, umsichtige Wissenschaftler - Werner Heisenberg und die Quantenphysik - Und wieder ein großes Missverständnis - Als wäre nichts gewesen: 200 Jahre ohnmächtiger Protest - Eine übersehene, tot geschwiegene Revolution - Freiheit bleibt der blinde Fleck der Moderne - Rückkehr zum Orakel und Abschied von der Vernunft - Der Traum übermannt das Denken - Martin Heidegger als Prophet - Philosophie der Verkündigung - Der Existenzialismus - Die existenzielle Trostlosigkeit - Franz Kafka und Albert Camus - Ein unüberbrückter Gegensatz

Teil IV:

Traum und Wunder in Mikro- und Makrokosmos - Der Irrtum des Neurologen - Das radikal Neue (in) der Evolution - Die Genesis in Mythos und Wissenschaft - Wie kommt es zu diesem Wissen? - Gott erschuf die Natur, der Mensch erschafft die Kultur - Die Genesis in den Naturwissenschaften -
1. Freiheitsbeweis: evolutionistisch für die Natur - Die Schichtenlehre - Erneuter Rückfall in die mechanistische Sicht - Was die Wissenschaftler (Empiriker) von der Philosophie lernen können
2. Freiheitsbeweis: logisch-postulativ für den Menschen -
3. Freiheitsbeweis: logisch-postulativ für die Natur - Ein Kegel von Licht mitten im Dunkel - Die Fiktion einer durchgehenden Kausalität - Notwendigkeit und Freiheit gehören zusammen: Warum es keine W e l t f o r m e l geben kann - Die Grenzen der Kausalität - Kein experimenteller Beweis für oder gegen die Freiheit - Die beiden Dimensionen des Wirklichen - Das Motiv hinter der Leugnung der Freiheit - Die Skeptiker haben den entscheidenden Schritt nicht vollzogen - Die Innensicht auf die Freiheit .

Teil V:

Vom Kausalgesetz wird die Welt beherrscht? Warum nicht vom Traum - Die moralische und die mechanische Welt - Ein Blick in die Vergangenheit - Die Welt als Geisteswesen: ein atmender, pulsierender, strömender Kosmos - Die Gaia-Hypothese - Wohin? Zum Glauben oder zur Wissenschaft? - Der religiöse Blick - Der Weg der Mitte: Ausbruch aus dem Gefängnis - Freiheit diesseits und jenseits - Weltformel gegen Weltwillen: zwei alternative Metaphern - Eine Unendlichkeit möglicher Welten - Für eine Neudefinition des Wunders

Teil VI:

Kreative (freie) und nachbildende Erkenntnis - Das doppelte Fundament menschlichen Erkennens - Bacon und Descartes: schon die Pioniere waren blind auf einem Auge - Die Stufenleiter der kreativen Erkenntnis - Kunst und schöpferische Erkenntnis - Schöpferische Erkenntnis in der Mathematik - In den Wissenschaften - Politik als kreative Erkenntnis - Eine sixtinische Evolutionskapelle? -Wo Tatsachen enden und Traumwelten beginnen

Anhänge

4. Freiheitsbeweis: kontradiktorisch - Undenkbare Freiheit - Falsche Träume .

Literaturverzeichnis
Sach- und Personenverzeichnis ..

Gero JennerDr. Gero Jenner ist Wirtschaftsautor und Asienwissenschaftler. Nach einem längeren Arbeits- und Forschungsaufenthalt in Japan lebt er heute in der Steiermark. Zahlreiche Buchveröffentlichungen zu gesellschaftspolitischen Themen, darunter Die Arbeitslose Gesellschaft (1997), Das Ende des Kapitalismus (1999), Das Gottesproblem. Die Wissenschaft von gestern und das Universum von heute (2002), Energiewende (2006) und Das Pyramidenspiel. Finanzkapital manipuliert die Wirtschaft (Signum, 2008), Wohlstand und Armut. Eine allgemeine Theorie über Eigentum, Geld, Güter und Staat (Metropolis Verl., 2010), Von der Krise ins Chaos: wann kommt der finale Crash? (Signum, 2012), EuroKalypse Now? Es gibt einen Weg aus der Krise! (Metropolis-Verl., 2012)